Herbstgefühle

Der September ist vorbei und auch meine traurige Stimmung. Die letzten Wochen habe ich viel nachgedacht. Über das Leben. Über mich. Und, wie es jetzt für mich weitergehen soll. Anfang September war ich euphorisch. Frisch verliebt. Alles prima. Aber dann schlich sich eine komische Stimmung an mich heran.

Sei vorsichtig, Anna.

Zu gut um wahr zu sein.

Wenn das in die Brüche geht, dann stehst Du wieder mit einem gebrochenem Herzen da.

Investier lieber nicht so viel.

 

Und zusätzlich kam kaltes Wetter. Regen.

Und mein alljährliches Down. Der Todestag.

Und je näher der Tag rückte, umso skurriler wurde ich. Launisch. Eben noch lachend, dann schon wieder leise und in mich gekehrt.

 

Aber ich wurde aufgefangen. Und fing mich auch selbst auf. Freunde, Familie, Mark und viele andere von Euch: Ich habt mich aufgefangen. Vielleicht wisst Ihr das gar nicht. Immerhin gehe ich ja sonst auch nicht so mit meinen Gefühlen hausieren.

Mark sagte irgendwann mal als ich wieder in meinen Laptop oder mein Handy kicherte: “Na ? Wer von den Chaos-Elsen hat jetzt wieder lustiges Zeug gelabert ?” Und so erzählte ich. Und weil die Namen ja nicht immer sprechend sind, kamen dann eigene Namen für Euch heraus.

Der Commodore. Ein älterer grau melierter Herr, der immer einen guten Rat hat. Und immer die richtigen Worte findet. Der nicht viele Worte braucht und doch oft das Richtige sagt.

Die Mutti, die sowohl sexy als auch clever und lustig ist. Ich habe ihr mal ein Stillbild unpassend kommentiert und sie hat es mit viel Humor genommen. Damit hatte sie mich.

Die Wortspielerin, die mich immer wieder zum Lachen bringt, wenn ich versuche ihre komischen Gedankengänge zu durchdringen. Sie kann aber auch ernst und nachdenklich sein. Sie kann eben beides. Als Frau darf sie das 😉

Die Julia, in der ich so etwas wie eine Schwester im Geiste gefunden habe. Eine junge starke und lebenslustige Frau. Mit einer dreckigen Fantasie. Und ja, das gefällt mir.

Die Amanda und der Paul, mit denen ich über wichtige und unwichtige Dinge gefachsimpelt habe. Und die wohl mit wenigen Worten (Amanda) oder vielen Worten (Paul) viele Einsichten brachten.

Der Kühlschrank. Mit dem ich viel lustigen Mist hin und her schrieb. Mit ihm habe ich eine eigene Religion erfunden. Natürlich mit mir als Göttin. Was auch sonst ?! Und er ist der Erste, der mir ein Gebet gewidmet hat. (Außer einem “Oh Gott, Anna.”)

Der Lernende, der mich immer mit einem sehr netten Satz begrüßt und mich am Morgen einmal “durchfavt”.

Der “alleinerziehende” Bayer, der mir wegen eines Flirt-Tipps demnächst ein Monument errichten wird.

Der Zuschauer, der wohl ein kleines Bisschen in mich verschossen ist. Manchmal ein wenig anstrengend, aber deshalb nicht weniger lieb.

Die Josie, mit der ich erst kurz schreibe und die ich immer einfach drücken möchte. Und sie hat mich schon mal “Sir” genannt.

Die Frausch, die mich mit einem Satz so berührte, dass ich sie einfach mal persönlich anschrieb. Ist sonst nicht meine Art.

Frau Needy mit dem Beinbild. Eine kluge und selbstbewusste Frau, die mich mit drei Worten triggern kann.

Das kleine Pendel, das immer mal ausschlägt, wenn man es am Wenigsten erwartet.

Die Meg. Engagiert. Lustig. Eben lässt sie mich nachdenklich zurück und schreibt dann etwas darüber, dass sie bei der Masturbation beobachtet wurde. Ein tolles Paket, dass ich nicht missen möchte. Sie war auch diejenige, die anfing. Anfing mich dazu zu bringen, mich mehr einzubringen. Mich mehr zu öffnen. Ihr traurig-schöner Tweet hat den Grundstein dafür gelegt, dass wieder aus meinem Loch kroch.

Und natürlich: die Mimi. Eine Frau weniger Worte. Zynisch. Bissig. Wunderschön. Ihre lieben Worte gepaart mit der kalten Schulter. Ich ertappte mich manchmal dabei, dass ich ihre Nähe “virtuell” suchte. Durchgeknallt und sexy. Und die erste Frau nach langer Zeit, mit der ich wohl abends nach ein paar Cocktails rumknutschen würde.

Und ich merkte, wie ich mich änderte. Früher war mein Blog und meine Online-Präsenz eher ein TV-Programm (ja, ich bin schon alt). Ich sendete und ließ konsumieren. Freute mich zwar über Feedback, aber meist ließ ich selbst die Kommentare unkommentiert. Mir machte es mehr und mehr Spaß mehr zu interagieren. Anteil zu nehmen. Die kleinen Vögelchen besser kennenzulernen. Und das holte mich Stück für Stück aus meiner dunklen Ecke heraus. Das ging soweit, dass ich meine einzige Regel im Online-Leben brach: Kein Foto mit Gesicht. Und diese Regel brach ich gleich zweimal. Mit zwei von Euch und zwei verschiedenen Bildern. Und ich bereue es nicht. Denn Ihr beide wart ebenfalls mutig, so dass Ihr von Pixeln mehr zu echten Menschen geworden seid. Jedenfalls in meinem Kopf.

Und natürlich Mark. Der wirklich wunderbar war. Er ließ mich machen. Stellte keine Fragen. Machte keine Szene. War einfach da. Ließ mir Platz, wenn ich ihn brauchte. Umarmte mich, wenn ich Nähe suchte. Und… naja, den Rest könnt Ihr Euch sicher denken.

Ich erinnere mich an eine Szene. Ich war am Todestag emotional vollkommen neben der Spur. Meg hatte auf Twitter einen Aufruf für eine gute Sache. (#hand2hand). Und plötzlich verlangte ich Bleistift und Zettel von ihm. Er suchte mir einen alten Bleistift, der bestimmt noch aus seiner Schulzeit war und gab mir ein paar Blätter Druckerpapier. Und ich kritzelte. Er ließ mich. Er klampfte (wie er den Begriff hasst) auf seinem Bass während ich ein Logo kritzelte. Keine Ahnung warum. Es fühlte sich gut und richtig an. Total bescheuert ? Ja. Aber das ist das, was ich meine. Kein Drama. Nur Verständnis. Meg hat meine Arbeit dann mit dem weiblichen “Nee, lass mal.” kommentiert. Kennt Ihr nicht ? Kennt Ihr garantiert 😉

Aber darum ging es – mal wieder – auch nicht. Ich war abgelenkt. Wollte etwas tun. Etwas Gutes tun. Meine Gefühlswelt ein wenig ordnen.

Und Mark verstand alles. Er tat nicht nur so.

Der September ist vorbei. Und ich bin dankbar. Für Euch. Für all die kleinen Schmunzler und großen Gefühle. Und falls ich jemanden vergessen haben sollte… Seht es mir nach. Ich werde ja auch nicht jünger.

Über rotesuende

Mein Name ist Anna. Ich bin Anfang 30 und lebe ich in einer deutschen Großstadt. Ich bin 1,60 m klein und habe feuerrote Haare, grüne Augen und jeden Menge Sommersprossen.
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14 Antworten zu Herbstgefühle

  1. Pendolino70 schreibt:

    Das fasst das zusammen, was ich schon vermutet hatte.
    Schön, dass dir dein „neues“ Leben anfängt zu gefallen.
    😊

    Gefällt 1 Person

  2. transomat schreibt:

    Das freut den Lernenden aber ganz ungeheuer liebe Anna

    Gefällt 1 Person

  3. keloph schreibt:

    …..und dann kommt da der goldene oktober 🙂 den wünsch ich dir.

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  4. xjuliax781105158 schreibt:

    Mir fiel gerade mein Phone aus der Hand. So baff war ich von seiner Seele die hier zu berichten scheint. Nicht wegen meinem Namen, nicht wegen meiner Person die hier auftaucht. (Okay im ersten Moment schon)Nein wegen dir. Du zeigst dich. Nicht mit Bildern, mit Gefühl. Was für ein wundervoller Mensch du bist! ♥️♥️♥️♥️

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  5. 64er schreibt:

    Ein Bassmann!? Anna was kann besser sein als ein Bassmann für Dich. Bassmänner sind die die Grundlage liefern, treiben oder floaten durch die Musik und bringen immer wieder den Akzent, den einen der einen Hit macht. So einer versteht, so einer kann die Melodie des Lebens lesen.

    Gefällt 2 Personen

  6. trigon4711 schreibt:

    Wow, das war ein sehr tiefer Einblick in dein Seelenleben. Du wirst immer interessanter für mich.

    Gefällt 1 Person

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