Alltagsfeminismus

Und schon wieder das Thema. Jaja, abgedroschen. Aber ich möchte heute mal eine andere Seite beleuchten. Und zwar meine Seite.

Fangen wir mal an. Ich bin Feministin. Aber ich gehe damit selten hausieren. Also außerhalb der sozialen Medien und dieses Blogs eigentlich gar nicht ! Warum ? Weil hysterische radikale Neo- und Online-Feministinnen das Thema dermaßen lächerlich gemacht haben, dass das bloße Anmerken des Wortes “Feministin” schon bei Vielen zur Gedankenblockade führt. Bei Männern UND Frauen wohlgemerkt. Ich merke es immer wieder. Die Menschen um mich herum sind satt. Haben es satt. Sind es leid, dass “Men trash” sind. Dass uns Frauen von anderen Frauen mit Gewalt Meinungssynchronität aufgezwungen wird – oder besser es mit Gewalt versucht wird.

Daher agiere ich in meinem Umfeld – besonders im Berufsumfeld – vorsichtiger und geschickter.

Der (radikale) Feminismus, den ich immer wieder lese, ist hysterisch. Geifernd. Voller Hass. Und gegen das “Patriarchat” und “strukturelle Geschlechtsdiskrimierung”. Hass und Rache. Mehr lese ich da nicht. Alte weiße Männer sind böse. Müssen am Besten alle weg. Jüngere Männer müssen sich in einem sehr engen Regelwerk bewegen, damit sie nicht zu “Feinden” werden. Aber erst einmal sind auch sie böse. Unter Generalverdacht. Und nur durch ganz viel Anbiederung und Anbetung kann ein Penis-Mensch überhaupt “würdig” sein, dass er nicht wegen seiner primären Geschlechtsteile zu “Müll” wird. Das ist kein “Feminismus”. Das ist Sexismus. Das ist Hass.

“Sexismus gegen Männer kann es nicht geben.”, sagen sie dann. “Für Sexismus / Rassismus braucht es ein Machtgefälle.”, wird argumentiert. Blödsinn !

Wenn ich jetzt sagen würde: Alle Franzosen sind schwul und haben kleine Pimmel. (Und bitte: Das ist ein zufällig gewähltes Beispiel, um den Irrsinn der vorherigen Aussagen zu verdeutlichen ! Nicht meine Meinung !!). Dann diskriminiere ich “Franzosen”, “Homosexuelle” und “Männer”. Es kann wohl kein Zweifel daran geben, dass die obige Aussage sexistisch und rassistisch ist. Und wo ist das Machtgefälle ? Welche “Macht” haben schwule Franzosen über mich ?

Ich kann es auch auf Frauen ummünzen, wenn der Einwurf kommen sollte, dass “Männer eh immer Macht haben”: “Alle Französinnen sind häßliche, lesbische froschschenkel-fressende Zicken. “. Sexismus? Rassismus? Kein Zweifel. Und wo ist das “strukturelle Machtgefälle” ?

Radikale Feministinnen haben für mich den Weg des “gesunden Feminismus” verbaut. Der Feminismus, der Gleichberechtigung fordert und fördert. Der Feminismus, der zu Rechten und Privilegien geführt hat. Und zwar zu den Rechten und Privilegien, die ALLE haben (sollten). Nicht mehr und nicht weniger.

Exkurs: Es wird auch der Unterschied zwischen Gleichstellung und Gleichberechtigung thematisiert. Gleichstellung kann es meiner Meinung nach nicht geben. Dazu gibt es (biologische) Unterschiede, die nicht gleichstellbar sind. Gleichberechtigung kann es jedoch sehr wohl geben. Und wir sind auf dem Weg dahin. Es geht vielleicht nicht so schnell, wie manche gerne hätten… Aber es bewegt sich etwas. Wir werden Gleichberechtigung erreichen. Und dann ist Schluß ! Keine Umkehr. Keine Jetzt-Mal-Erst-Recht-Mentalität. Kein Sollen-Die-Doch-Mal-Weniger-Rechte-haben. Das ist Rache. Rache an Lebenden für die Verfehlungen früherer Generationen.

Wo war ich ? Ach, ja. Anna, die kleine Feministin, die eigentlich gar keine ist (*zwinker*). Wie ist das denn nun bei mir ? Nun, ich arbeite in einem Personalbereich. Jahaaaa. Da kann man (also ich!) auch als kleines Licht einiges erreichen. Dazu muss ich aber geschickt agieren.

Wenn eine Bewerberin mal abgelehnt wird, weil sie ja “schwanger werden könnte”, dann ist das Scheiße. Stimmt. Ist in der Vergangenheit aber passiert. Beziehungsweise ist versucht worden, diese “Karte” zu ziehen. (Von Männern UND Frauen !)

Also: Ablehnung, weil… Frau. So. Also, was tun ? Die Brachialkeule rausholen ? Die Feministin rauskehren ? Den Entscheidern (bei uns meist männlich) den Betriebsrat auf den Hals hetzen ? Nein.

Schritt eins: Sexismus erkennen.

Gut. Das war jetzt nicht soooo schwer. Aber es gibt das Ganze auch feiner und versteckter.

Schritt zwei: Auf Augenhöhe ohne moralische Keule aber mit Finesse handeln

Jemandem mit Autorität vor versammelter Mannschaft das eigene Fehlverhalten vor Augen zu halten… Schlechte Idee. Selbst wenn diese Person (egal welchen Geschlechts) ihr Verhalten einsieht, dann ist die Chance groß, dass trotzdem nichts passiert, damit sie ihre Autorität wahren können. Wenn die Führungskraft wegen meines Kommentars einknickt, dann verliert sie (in der eigenen Wahrnehmung) an Autorität. Sehe ich oft. Kenne ich. Besonders bei Frauen, die Kommentare von Männern abbügeln, um nicht “wie kleine dumme Mädchen” da zu stehen.

Also nicht vor versammelter Mannschaft die Moralkeule überziehen, sondern lieber in einem ruhigen Gespräch später noch einmal in Ruhe erklären, dass in manchen Fällen die Qualifikation ja das “Risiko” rechtfertigen.

Klingt aufgesetzt und anstrengend ? Vielleicht. Aber ich tanze schon so lange durch Hierarchien, dass ein kleiner Tanz mit der Führungskraft hier keine große Ausnahme bildet. Jede/r im Berufsleben weiß, dass ein Eiertanz dann und wann halt sein muss.

Schritt drei: Konstruktive Vorschläge. Die Bewerberin ist besser ? Aber Frau ? Tja. Laden wir sie doch trotzdem mal ein. Wie oft habe ich schon erlebt, dass diese Frauen auch durch Persönlichkeit überzeugen konnten.

Das ist für mich geschickter Feminismus. Fördernd. Subtil. Leise. Geschickt. Ohne Moral-Keule. Ohne hysterisches Gekeife. Einfach den Tanz mittanzen und die Führung übernehmen. Bestenfalls so, dass es gar nicht bemerkt wird.

Dieser Beitrag liegt schon etwas länger hier bei mir rum und wird dann und wann ein wenig ergänzt und umgeschrieben. Und fühlt sich derzeit passend an, da gerade Gillette eine zumindest diskussionswürdige Kampagne startet. s. hier

Die Meinungen sind gespalten. Verstehe ich. Aber ich sehe darin auch eine Chance. Die generelle Frage “Wie findest Du es, wenn sich große Marken aktueller Themen annehmen und diese für ihre Werbung nutzen, bzw. ihre Größe und Reichweite nutzen, um das Thema anzusprechen?” habe ich so beantwortet: “Ich finde jede unaufgeregte und zuweilen geschickt verpackte Message in Werbung nützt der ‘Sache’ oft mehr als ein als hysterisch wahrgenommener Aufschrei, von dem viele eh nach kurzer Zeit nur noch genervt sind.” Und das empfinde ich auch so. Jede Person, die nach einem Werbespot (sei es nun Gillette oder Heineken oder wasauchimmer) ihre Einstellung und Verhaltensweisen überdenkt, ist ein Gewinn. Letztendlich ist der Anstoss ja vollkommen egal. Ob jemand durch eine Werbung oder durch ein Buch das eigene Verhalten reflektiert, das ist doch wurscht.

Und zu guter Letzt noch ein Zitat, was die ganze Debatte für mich umfasst :

„Ich bin an einem interessiert, Neo, der Zukunft. Und glaube mir, ich weiß – der einzige Weg, dort hinzugelangen ist ist gemeinsam.“

-Orakel

Über rotesuende

Mein Name ist Anna. Ich bin Anfang 30 und lebe ich in einer deutschen Großstadt. Ich bin 1,60 m klein und habe feuerrote Haare, grüne Augen und jeden Menge Sommersprossen.
Dieser Beitrag wurde unter Annas Welt abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Alltagsfeminismus

  1. skywalkerlein schreibt:

    Toller Beitrag, vor allem über diese hysterischen Feministinnen.
    Mich wundert es immer wenn ich deren Aufschreie bei Twitter lese, dass diese nicht gerade unintelligenten Menschen so dumm agieren.

    Gefällt 1 Person

  2. Inkognitoanonymus der III schreibt:

    Ja, die Radfems (oder auch liebevoll Feminazis genannt) haben dem Feminismus als solchen wirklich zu einer Lachnummer degradiert.
    Abgesehn davon das 90% der Themen dieser „Feministen“ überhaupt nicht mehr mit Feminismus als solches zutun haben. Dann kommen die Grünen und die Linken plötzlich mit anträgen zu 67 Geschlächtern an und auf einemal ist die verbreitung und unterstützung des Islam ein feministisches Thema (was wiedersprüchlicher nicht sein könnte… mal ernsthaft mir fällt keine patriarchiaischere Religion ein die so sehr auf Frauen und ihre meinung scheißst wie der Islam…), da braucht man sich nicht zu wundern das einem mit Ablehnung entgegengekommen wird.

    Allerdings muss ich sagen gibts auch so schon Probleme mit den tatsächlichen feministischen Themen. Vieles wirkt sehr wie Rosienenpickerei. Alle Rechte aber keine der dazugehörigen Pflichten wollen. Oder Schwachsinn wie die Frauenquote.

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  3. Amanda Lears schreibt:

    Ich kann diese Phrasen über DAS PATRIARCHAT echt nicht mehr lesen, da gebe ich dir vollkommen Recht.
    Feminismus ist Empowerment und keine Niedermachen des anderen Geschlechts.
    Lieben Gruß
    Amanda

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Hast Du ein Beispiel, wie man einen weißen Mann diskriminieren können soll? | Annas Welt – Männer, Frauen, Sex und alles andere

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