Wenn ich mich unwohl fühle, dann werde ich still

Eine wirre Gedankenfahrt wegen der letzten Wochen und meiner Abwesenheit.

Es war für mich ein schleichender Prozess. Rückwirkend betrachtet weiß ich das. Es waren Ereignisse der letzten paar Wochen, die mich weckten und die das Fass zum Überlaufen brachten.

Ich habe schon viel Scheiß und Hinterhältigkeit erlebt.

Personen, die mit ihrer Sympathie von Mensch zu Mensch springen. Immer auf der Suche nach der nächsten Anbiederungsmöglichkeit mit noch mehr Gefolge.

Personen, die alle Brücken hinter sich abbrennen, wenn es “nichts mehr zu holen gibt”.

Personen, die ich mochte und die mich mochten. Und die mich trotzdem wegen falscher Freunde rausgekickt haben.

Personen, die Sätze aus dem Kontext reißen und sich dann als moralische Instanz und Richter über werte oder unwerte Meinungen aufschwingen.

Personen, die mich verurteilen.

Aber ich schweife ab. Jeder in sozialen Medien kennt vergleichbare Geschichten oder hat sie selbst erlebt.

Als Twitterneuling musste ich erst einmal viel lernen. Lernen, dass ich viel von mir abprallen lassen muss. Mich auf die „richtigen Leute“ zu konzentrieren. Nicht jeden dahergelaufenen Hater ernst zu nehmen.

Und ich habe gelernt. Und ich bewegte mich viel zu vorsichtig in einem Umfeld, in das ich eigentlich jeden Tag mit einer „Hey, hier bin ich.“-Attitüde reinpoltern wollte.

Und ich stumpfte ab. Ich hatte aufgrund von schlechten Erfahrungen meine Leichtigkeit verloren. Ich konnte von „Fremden“ oft nicht mehr Ehrlichkeit von Hinterhältigkeit unterscheiden. Und ging erstmal vom Schlimmsten aus. Ich überging die vielleicht nett gemeinten Kommentare überheblich.

Und es kotzte mich an. Dass ich abstumpfte. Dass ich über Kommentare hinweg ging wie eine Attentäterin. Ohne Blick zurück.

Ich hasse es an mir. So kalt zu sein.

Und einige Ereignisse der letzten Wochen haben mich dann doch nicht so kalt gelassen, wie ich es gerne hätte.
-Rauskicken wegen falscher Freunde.

-Hinterhältiges und feiges Anprangern durch Screenshots

-Personen, die mich rausgeworfen haben und dann doch hinter meinem Rücken lästern

-Hass und Hetze gegen mich und Personen, die ich mag

-Gegenwind wegen meiner Meinung von Personen, von denen ich es eigentlich nicht gedacht hätte.

 

Hin- und hergerissen zwischen “sollte mir doch egal sein” und “sollte mir nicht egal sein, wenn ich kein Emotionskrüppel werden will” verbrachte ich immer weniger gern Zeit in diesem Blog und Twitter und so weiter.

Ich konnte auch nicht mehr jeden Kampf mitkämpfen. Ich war müde. Genervt. Ich möchte Spaß haben. Die Zeit, die ich hier verbringe ist kostbar. Ich habe nicht unbegrenzt davon.

Ich habe mich zuletzt aufgerieben. Ich habe Stellung bezogen und Einiges an Gegenwind erhalten. Ja, ich bin das gewohnt. Trotzdem ging es nicht spurlos an mir vorüber.

Der folgende Satz aus einem Blog, der mir neulich vor die Nase fiel, geht mir nicht mehr aus dem Kopf: „Welche Ironie! Dass ausgerechnet die ach so „sozialen“ Medien uns eigentlich zu solch unsozialen Wesen machen, wie selten zuvor.“
Ich bin sensibel. Vielleicht derzeit mehr als sonst. Vielleicht derzeit auch viel weniger als sonst. Ich hatte mich ein Stück in der Scheinwelt verloren. Und ich hatte meine Freude an dem Medium verloren. Ich konnte einfach nicht – so wie früher – einfach meine Gedanken raushauen, sondern überdachte viel zu viel. Mir fehlte die Leichtigkeit. Die Freude. Das Unbedarfte. Ich fühlte mich unwohl. Wusste nicht, was ich schreiben sollte. Mein Flow der Gedanken wurde immer wieder durch “Was kommt da jetzt vielleicht wieder für ein Scheiß zurück” unterbrochen.

Und wenn ich mich unwohl fühle, dann werde ich still.

Und so kam es dann. Ein paar Klicks und alle Brücken waren weg. Ich deinstallierte die Twitter- und WordPress-Apps. Es war eine Kurzschluss-Reaktion. Es war mir plötzlich alles zuviel. Als ich die Worte “Twitter deinstalliert” las, fühlte ich mich kurze Zeit frei. Ich schob alle Gedanken an alle Personen, die sich vielleicht fragten, was denn los sei, beiseite. Zwei Tage dachte ich kaum an die Welt, deren Tür ich so plötzlich geschlossen hatte. Dann brachte mich ein Geburtstag dazu doch wieder zurück zu denken. Ich haderte. Und vermisste plötzlich. Schabernack und tiefgründige Gespräche. Quatsch und Spaß. Und gestärkt öffnete ich wieder die Welt, die ich so leichtfertig verlassen hatte. Und war überwältigt.

Über rotesuende

Mein Name ist Anna. Ich bin Anfang 30 und lebe ich in einer deutschen Großstadt. Ich bin 1,60 m klein und habe feuerrote Haare, grüne Augen und jeden Menge Sommersprossen.
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10 Antworten zu Wenn ich mich unwohl fühle, dann werde ich still

  1. Tasha schreibt:

    Du schreibst mir von der Seele..
    Genau so geht es mir gerade, ich ziehe mich immer mehr zurück und irgendwann macht es „plopp“ und ich bin nicht mehr da.

    Ich denke aber das ich nicht mehr zurückkommen werde

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    • rotesuende schreibt:

      Ich war mir auch sicher, dass ich nicht wiederkommen würde. Aber es fühlte sich richtig an. Und nur deshalb habe ich es gemacht. Letztendlich bist Du niemandem was schuldig. Wenn es Dich runterzieht, ist es Zeit etwas zu ändern. Ich wünsche Dir viel Glück. 🤗

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  2. Christian_who schreibt:

    Diesen Frust kenne ich zu gut. Ich habe mich jetzt auf sehr wenige Personen konzentriert die mir wichtig sind. Alles andere habe ich schon lange abgebrochen. mich zeizt es auch nicht eine große Zahl von Interessenten zu haben. Die, die ich mag. das reicht. Ich mag dich auf jeden Fall ganz besonders Anna. Und das schon solange Du online bist.

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  3. Captain Fantastic schreibt:

    Rotschopf!
    Ich stimme dir in vielem zu und kann nachvollziehen, wie es Dir ging. Und ich halte es wie mein Vorredner. Weder interessieren mich die Anzahl meiner Follower noch bei den Unbekannten, was sie denken. Und auf eine Diskussion lasse ich mich nur ein, wenn ich Lust darauf habe. Aber ich muss und werde mich nicht vor jedem Hans-Wurst rechtfertigen oder gar angreifen lassen.
    Anders ist es beim Inner Circle. Da sind mir Feedback und Meinung auch wichtig, insb dann, wenn die Meinung eine andere als die meine ist. Denn nur so fange ich an, nachzudenken und zu reflektieren. Häufig bleibe ich dann trotzdem meiner Meinung, aber dann mag ich den Austausch.
    Darum eine Anermkung zu „Gegenwind wegen meiner Meinung von Personen, von denen ich es eigentlich nicht gedacht hätte.“ Ohne genau zu wissen was passiert ist, möchte ich anmerken, dass Gegenwind im Sinne einer anderen Meinung, sofern fair und inhaltlich begründet vorgetragen, nichts auszusetzen ist. Im Gegenteil – eine richtige Freundschaft muss so etwas auch aushalten können. Finde ich zumindest …
    Und ich bin sehr froh, dass du zurückgekommen bist. Du hast einigen Menschen hier sehr gefehlt! Darum – wenn das wieder passiert, blocke die Menschen, die dich aufregen, aber verlasse nicht die Menschen, die dich lieben ❤

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  4. keloph schreibt:

    als männlicher vertreter habe ich sicherlich weniger drastische erfahrungen mit den sozialen medien gemacht. für pimmelbilder bin ich das falsche ziel, für blogtrolle zu klein oder zu uninteressant. keine ahnung. ich kann deine gefühlsregungen und das reflektieren darüber nachvollziehen, dennoch. wie du ja feststellst, gibt es auch gutes. und wenn es dafür keine anderen medien gibt (telefon, face2face?) dann kannst nur du die entscheidung treffen. ich wünsche dir ein glückliches händchen damit: und hoffe auf deinen verbleib.

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  5. mrfreeze01 schreibt:

    Da ich bei Dir davon ausgehen kann, dass Du ein durchaus erfülltest RL hast, wäre mein HInweis: Nimm dir den virtuellen Wahnsinn nicht wirklich zu Herzen. Und es ist ganz gut, einmal komplett „abzuschalten“ um festzustellen, was wirklich wichtig ist. Du hast also alles richtig gemacht 😉

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  6. 64er schreibt:

    Liebe Anna
    ich habe immer wieder diesen Blogpost gelesen. Was Du (be)schreibst kann ich sehr gut verstehen. Es ist, wie Du selbst beschreibst, eine Ironie des Menschseins, dass die sozialen Medien asoziale Personen geradezu magnetisch anziehen. Sie können hier ihren ganzen Frust und den daraus entstandenen Hass über Menschen auskippen, die einfach nur anderen Menschen die Gelegenheit geben wollen ein Stück weit an ihrem Leben teilzuhaben.
    Diese Personen werden dabei mit ihren Anfeindungen, Verleumdungen und Attacken auf das emotinale Wesen des schreibenden Menschen immer dreister und immer ungebührlicher.
    Das ist wenigstens meine Erfahrung.
    Mittlerweile verstecken sich die Hater oft nicht mehr hinter Pseudonymen, sondern gehen Menschen ohne jede Scheu offen und mit ihrem wahren Namen an.
    Es ist ein Sport für eine eigenartige Personengruppe geworden. Sie berauschen sich regelrecht an ihren Taten und prahlen in ihrer Peergroup.
    Selbstverständlich hat es dieses auch analog schon gegeben, ich hab noch so manches Exemplar an Hassbriefen rumliegen, es war jedoch nahezu unmöglich für diese Personen Öffentlichkeit herzustellen.
    Ich hatte wissentlich zweimal mit Bloggern zu tun, die an einem gewissen Punkt begonnen haben Tatsachen zu verdrehen oder versucht haben mich verbal zu diskreditieren.
    Ich habe es bisher immer geschafft, das zu ignorieren und nicht darauf zu reagieren. Weder aktiv über „Gegendarstellungen“ in meinem Blog oder in Kommentaren, noch passiv über irgendwelche Followersperren. Außerdem habe ich andere Menschen die mir nahe stehen, gebeten nicht auf den Shit zu reagieren.
    Damit bin ich gut gefahren. In beiden Fällen war sehr schnell Ruhe. Ich habe mich als Gegner verweigert.
    Vielleicht ist das wirklich die einzige Strategie die dabei hilft.
    Liebe Grüße
    C64 😉

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    • rotesuende schreibt:

      Danke Dir. Für das Ignorieren bin ich wahrscheinlich zu impulsiv und zu emotional. Leider nehme ich mir Hater immer noch viel zu sehr zu Herzen. Klar, ich haue einen Konter raus. Aber später kommen mir manchmal schon Zweifel. Egal, ob das alles völliger Quatsch ist, oder halt doch etwas dran ist.
      Das Problem mit dem „dicken Fell“ ist ja, dass es schützt und gleichzeitig auch weniger sensibel macht.
      Ich werde einfach lernen damit umzugehen. In welcher Art auch immer.

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