Hast Du ein Beispiel, wie man einen weißen Mann diskriminieren können soll?

Es wird frostig, denn da war es wieder. Plötzlich saß ich gefühlt in einem Verhörraum. Eine Lampe ins Gesicht und immer dieselben bohrenden Fragen.

Wie war ich genau hierher gekommen ?

Ach ja. Ich hatte einen sehr interessanten Thread von der Diva gelesen.

(https://twitter.com/Snake_Kaa/status/1165579272209227777)

Hand hoch, wer nicht dieses eine Pärchen in seinem Umfeld hat. Das Pärchen, wo er mit gesenkten Kopf hinter ihr her trottet und kaum mehr wagt den Mund aufzumachen. Und falls Ihr denkt, das wäre nur eine Erfindung schlechter Comedy-Serien, dann lasst Euch sagen: Die gibt es.

Gut. Aussagen dieses Threads waren für mich:

  • Verlust an Respekt in einer Beziehung
  • zweierlei Maß, wenn es darum geht den Partner in einem sozialen Medium “vorzuführen”

Ich fand ihre teils überspitzte Darstellung gut. Ich fühlte mich an eine Zitat von Marlene Dietrich erinnert.

 

Die meisten Frauen setzen alles daran, einen Mann zu ändern, und wenn sie ihn dann geändert haben, mögen sie ihn nicht mehr. 

-Marlene Dietrich

 

Soweit zur Grundlage. Jedenfalls las ich dann einen Tweet einer Twitterin (wir folgten uns gegenseitig – ja, Spoiler “folgten”) der eben diesen Thread sehr kritisch betrachtete. Nun bin ich ja weder auf den Mund gefallen, noch denke ich, dass es nur DIE EINE Meinung geben kann. Also merkte ich an, dass ich finde, dass die Diva mit Einigem Recht hat.

Zuerst war mein Gespräch mit dieser Twitterin durchaus höflich kontrovers. Doch nach und nach kam ich mir vor als würde ich verhört. Es ging bald nicht mehr nicht darum, dass Frauen ihre Männer durchaus in sozialen Medien schlecht machen und dafür gefeiert werden. Auch nicht, dass hier zweierlei Maß angelegt wird (Würde ein Mann das über seine Frau schreiben… Wahrscheinlich würde halb Twitter Gift und Galle spucken). Es ging plötzlich ums Prinzip. Ob ich denn eine Person gut finden könne, die anderen Frauen quasi einen bösen anti-feministischen Dienst erweisen würden, indem sie ihren Mitfrauen immer Knüppel zwischen die Beine werfen würde. Ob ich denn Rassismus und Sexismus gutheißen könne. Und plötzlich befand ich gefühlt in einer Art Verhör. Und fühlte mich immer kleiner und unwohler. Auf der einen Seite war plötzlich die ältere lebenserfahrene Frau, die mir kleinem Dummerchen jetzt doch mal eben die Welt erklären müsse.

Das Ganze zog sich über mehrere Stunden und ich verlor das Interesse an der Diskussion. Einerseits, weil ich müde war. Andererseits, weil ich wusste, dass wir nicht zueinander kommen würden. Ich versuchte das Ganze dann höflich aber respektvoll abzuwürgen. Das gelang mir nicht. Weitere “existentielle” Fragen. Die dann darin gipfelten, dass ich ein Beispiel bringen sollte, wo jemals ein weißer Mann diskriminiert wurde. Und dann eben die Frage aller Fragen: “Bist Du der Meinung, dass man weiße Männer diskriminieren kann?”

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gespräch mehrfach beendet. Ich war müde. Satt. Genervt. Und daher sagte ich, was ich immer sage: “Jeder Mensch kann diskriminiert werden.” Und dann war ich plötzlich nicht mehr Gesprächspartnerin. Ich war Dummerchen. Es war “aussichtslos” mit mir zu reden. Und ich war plötzlich auch “unfähig zu reflektieren”.

Weil ich eine andere Meinung habe. Weil ich wage, das Recht, das der Feminismus für mich erstritten hat, in Anspruch zu nehmen. Nämlich eine eigene Meinung zu haben.

Das – liebe Leute – ist Mist.

Ich darf natürlich eine eigene Meinung haben. Du kannst gerne anderer Meinung sein. Punkt. Ich diskutiere gerne. Aber wenn Du mir das grundlegende Recht absprichst eine Meinung zu haben, weil es eben nicht Deine ist, dann ist das falsch.

 

Wie ich schon mal geschrieben habe:

Ich muss nicht missioniert werden. Ich muss nicht gerettet werden. Ich bin gut so, wie ich bin.

Ich hätte das Ganze am Liebsten abgeschüttelt, aber irgendwie beschäftigte es mich die Nacht über doch. Also musste ich nochmal aufstehen und diesen Text schreiben.

(Und dann heute morgen noch einmal querlesen.)

 

Die Dinge, die mich beschäftigten:

  • Frauen werfen anderen Frauen also Knüppel zwischen die Beine ? Und wie nennst Du das hier ?
  • Feminismus heißt auch, dass ich mir nicht von anderen Frauen eine Meinung aufdrücken lassen muss.
  • Ist nicht allein die Frage, ob man Gruppe X überhaupt diskriminieren kann, schon selbst diskriminierend ?
  • Ich kann keine Männer diskriminieren. Drehe ich das Ganze aber um, dann ist das diskriminierend. Was für ein Irrsinn !
  • Vielleicht hat ja das “böse Patriarchat” den “extremen Feminismus” erfunden. Denn nichts entzweit uns feminismus-affine Frauen ja mehr.
  • Gibt es eigentlich Ultra-Feministinnen, die die Formulierung “alter weißer Mann” der Extrem-Feministinnen sexistisch finden, weil Frauen ja auch scheiße sein können.

 

Mehr zum Thema:

Der nicht weltbewegende Tod eines alten weißen Mannes

Alltagsfeminismus

 

Und noch etwas zum Schluss:

Ich werde nicht so schnell wieder über “toxische Männlichkeit”, das “Patriarchat” und “strukturelle Diskriminierung” diskutieren. Also bitte auch nicht hier. Ich habe den Kanal voll.

Über rotesuende

Mein Name ist Anna. Ich bin Anfang 30 und lebe ich in einer deutschen Großstadt. Ich bin 1,60 m klein und habe feuerrote Haare, grüne Augen und jeden Menge Sommersprossen.
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10 Antworten zu Hast Du ein Beispiel, wie man einen weißen Mann diskriminieren können soll?

  1. 64er schreibt:

    Manche brauchen andere nur um bestätigt zu wissen dass sie ex cathedra ihre Glaubensüberzeugung zum Dogma erklären können.
    Wenn was zur Religion mutiert haben wir’s ganz schnell mit Infallibilität zu tun.
    Und das auch außerhalb der ewigen Stadt.

    Gefällt 2 Personen

  2. DeinBesterFreundAufTwitter schreibt:

    Erstmal alle deine Kommentare in dem Thread durchliken jetzt 😀
    #Ehrenfrau

    P.S.: Habe der ein oder anderen Dame schonmal meinen Knüppel zwischen die Beine geworfen ;)))
    Da hat sich komischerweise keine beklagt.

    Gefällt 1 Person

  3. Matze schreibt:

    Feminismus ist für manche schon Religion.
    Da geht es nicht mehr um Vernunft, nur noch darum das alle die „richtigen Wahrheiten“ glauben.
    Wer hinterfragt, ist ein Ketzer und muss ausgegrenzt werden.
    Man sieht es so oft und trotzdem denken noch zu viele das dieser Feminismus etwas gutes bewirken wird. Es wird einfach ignoriert. Es geht da doch nur noch um Macht um der Macht Willens.
    Zu der Frage „Hast Du ein Beispiel, wie man einen weißen Mann diskriminieren können soll?“
    Das hat nichts mit der Hautfarbe zu tun…
    Der Wehrdienst ist ausgesetzt, nicht abgeschafft. Wenn Krieg ist, will der Staat das Männer an der Front sterben und die Frauen geschützt zu Hause leben. Das ist offensichtlich eine Diskriminierung von Männern. Wie kann man das nicht wissen?
    Ansonsten…
    Deutsche Gesetze, die Männer diskriminieren:
    GG Art 6 Absatz 4
    GG Art 12a
    §1626a BGB
    §1631d BGB
    §19 BGleiG
    §36a SGB II
    §1 SGB IX
    Deutsche Gesetze, die Frauen diskriminieren:

    Gefällt 1 Person

  4. Jan schreibt:

    Bei den Gesetzen, die Männer diskriminieren möchte ich noch hinzufügen:
    GG Art 3 Absatz 2
    Der ist zwar geschlechtsneutral formuliert, aber wird faktisch als Rechtfertigung für verschiedenste Diskriminierungen gegen weiße Männer verwendet.

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  5. Jones schreibt:

    Es ist mittlerweile überall in der Gesellschaft angekommen. Es ist sehr schwer, eine andere Meinung anerkannt zu bekommen. Ohne das man sie gutheißen muss. Es gibt auch oft nur schwarz und weiß, kein zwischendrin. Ich erlebe das sehr oft. Erlebe auch wie es Leute trifft, die nicht mal so sind wie ich. Ich ärgere gern, provozierte, spiele…
    Ich denke, es ist egal, entweder man wird akzeptiert oder verschwendet Zeit, wenn man sich nicht umdreht und geht.

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  6. Trichlormethan schreibt:

    *Während die Hand nach Oben geht denkend: Gqut, dass ich mich größtenteils von Sozialen Netzwerken fern halte*

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  7. Amanda Lears schreibt:

    es ist eben vordefiniert wie man sich feministisch „verhält“.. ja, finde den Fehler, sehe ich ganz genau so wie du.

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